Warum gibt es in Tanna eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde?
Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Tanna ist Teil der weltweiten "Brüderbewegung", die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England und Irland entstand. Christen aus verschiedenen christlichen Gruppierungen fanden sich dort zu Gebet, Verkündigung und Abendmahl zusammen, weil sie die Einheit der Kinder Gottes verwirklichen wollten. Die Mitglieder dieser Bewegung wurden als "Brethren" (= Brüder) bezeichnet, weil sie nach dem Grundsatz von Jesus Christus handeln wollten: "Einer ist euer Lehrer (Jesus), ihr alle aber seid Brüder." (Die Bibel, Matthäus 23,8). Deshalb gab und gibt es keine Unterscheidung zwischen "Geistlichen" und "Laien".

Durch die Missionsarbeit fand die Brüderbewegung eine weltweite Verbreitung. In Deutsch­land entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten "Brüdergemeinden". So kamen 1906 auch Brüder aus Triebes nach Unterkoskau zur Familie Louis Conradi und zu Anna Schmidt. Bei den regelmäßigen Treffen unterhielten sie sich oft stundenlang mit interessierten Leuten über die Bibel. Dorthin kam drei Jahre später auch der Sticker und Schuhmacher Otto Bernhardt aus Tanna. Das Wort Gottes hat ihn nicht mehr losgelassen und sein Leben verändert.

Die "Stubenversammlung"
Auch in Tanna entstanden so genannte "Stubenversammlungen". Neben Otto Bernhardt zählten zu den ersten Besuchern unter anderem Willi Ruß, Rosa Neupert, Oscar Temmler, Karl und Johannes Blobelt und ihre Schwestern Gretel und Frieda Blobelt, Reinhold und Anna Ruß sowie Hermann und Lina Dreier.

In diese Zeit fällt der Beginn der Tannaer Gemeinde, wenn auch der genaue Zeitpunkt und der Personenkreis nicht mehr bekannt sind. Protokolle wurden nicht geführt, organisatorische Dinge waren Nebensache. Es muss aber zwischen 1910 und 1913 gewesen sein, denn am Karfreitag 1913 war im Gasthof "Zum Stern" eine erste öffentliche Evangelisation, weil man die befreiende Botschaft der Bibel auch anderen bekannt machen wollte. Die Vertreter der Kirche sahen diese Entwicklung mit Misstrauen. Der Sternsaal war überfüllt, doch offensichtlich waren einige nur gekommen, um zu stören. Mit lautem Trampeln und mit Sprechchören versuchten sie, die Durchführung zu verhindern. Erst um Mitternacht konnte begonnen werden.

Der Austritt aus der Kirche war damals noch ungewöhnlich, und man musste manche Ausgrenzung hinnehmen. Beerdigungen konnten nur unter Auflagen und Einschränkungen durchgeführt werden, z.B. durfte nicht gesungen werden. An den drei Eingängen zum Friedhof stand jeweils ein Schutzmann. Die Öffentlichkeit sollte möglichst ferngehalten werden.

Die kleine Gemeinde mit ihrem Leiter Otto Bernhardt war aber im Glauben gefestigt und ließ sich trotz offener Feindseligkeiten nicht einschüchtern. Es kamen im Gegenteil immer mehr Leute hinzu, u.a. auch die späteren Gemeindeleiter Willy Kuhn und Willy Eichelkraut.

In der Koskauer Straße 20
Bisher traf man sich in den Häusern von Otto Bernhardt, Reinhold Ruß oder Hermann Dreier. Doch bald waren die Wohnstuben zu klein. Deshalb wurde 1922 bei Alfred Spitzbarth, Koskauer Str. 20, ein Saal gemietet. Dort konnte im August 1923 die erste regionale Konferenz in Tanna abgehalten werden (Bild 1). In der Folge­zeit gab es immer wieder evangelistische Einsätze, bei denen sich Menschen "bekehrten". Das Bild 2 unten zeigt einen "Missionswagen" auf dem Tannaer Spritzenplatz in den späten 20er Jahren.

In der Kirchgasse 16
1937 war die Gemeinde in die Kirchgasse 16 (bei Familie Militzer) umgezogen, wo sie 60 Jahre bleiben konnte.
Eine wichtige Aufgabe war von Anfang an, den Kindern das Evangelium nahe zu bringen. Vielen Tannaern ist die Sonntagschule bekannt, die Willy Eichelkraut schon seit 1925 über fünf Jahrzehnte leitete. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg kamen viele Kinder (Bild 3), um die biblischen Geschichten zu hören und um zu singen. Das Lied "Gott ist die Liebe" war besonders beliebt.

Auch heute noch sind die guten Erinnerungen lebendig. Hier sei auch an Emanuel Eichelkraut erinnert, der es besonders gut verstand, die Kinder und die Jugendlichen zu begeistern und auch einen Jugendchor leitete.

In der Koskauer Straße 55
1997 konnte ein eigenes Grundstück in der Koskauer Str. 55 erworben wurde. Während der Umbauphase durften wir 8 Monate in der katholischen Kapelle zu Gast sein. Am 13.9.1998 feierten wir den Einweihungsgottesdienst im neuen Gemeindesaal.

Geblieben sind in all den Jahren die intensive Beschäftigung mit der Bibel, die gemeinsamen Gottesdienste, die sonntägliche Abendmahlsfeier, die Kinder- und Jugendarbeit, evangelistische Einsätze, Gebetsstunden und Glaubenskonferenzen. Alle Arbeiten und Dienste werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern durchgeführt und mit freiwilligen Spenden finanziert.

Nicht geblieben sind die harten Auseinandersetzungen mit der Kirche. Misstrauen und Feindseligkeiten gehören der Vergangenheit an. Das Verhältnis ist heute von gegenseitiger Achtung geprägt. Im Rahmen der Evangelischen. Allianz arbeiten Christen aus verschiedenen Gemeinden auch in Tanna zusammen. So bei der Allianzgebetswoche, den Alpha-Kurs, besonderen Anlässen usw. Man begegnet sich freundlich, und es gibt viele persönliche Kontakte. Wir haben ja gemeinsame Glaubensüberzeugungen wie die Allmacht und Gnade Gottes, die Gottheit Jesu, die Auferstehung der Toten, die Schöpfungslehre u.a. Das "Apostolische Glaubensbekenntnis" oder das "Vater-unser" können wir gemeinsam sprechen. Zur gegenseitigen Achtung gehört aber auch, dass man Unterschiede benennen kann, ohne sich zu bekämpfen.

Wir glauben, dass zur Gemeinde Jesu nur Menschen gehören, die durch persönliche Umkehr zu Jesus ein neues Leben erhalten haben. Deshalb kann bei uns nur Mitglied werden, wer durch das aufrichtige Schuldbekenntnis vor Gott die Vergebung seiner Sünde erfahren hat (Bekehrung) und ein Leben unter der Herrschaft von Jesus Christus führen will (Nachfolge). In der Regel wird das veränderte Leben durch die Taufe öffentlich bezeugt. Die Taufe setzt den Glauben voraus und geschieht durch völliges Untertauchen im Wasser (Bild 4).

Das Abendmahl wird nicht gefeiert, um Vergebung der Sünden zu bekommen, sondern wir danken Gott, dass er uns vergeben hat. Das Abendmahl ist für uns eine Gedächtnismahl und eine Verkündigungsfeier.

Die Leitung der Gemeinde besteht nach biblischem Vorbild aus mehreren Ältesten, die ihre Aufgabe vorwiegend im Dienst und in der geistlichen Führung der Gemeinde sehen.

Die Gottesdienste und die weieteren Treffen der Gemeindegruppen sind alle öffentlich; dabei ist jeder willkommen und gern gesehen.

Bild 1     /     Bild 2     /     Bild 3     /     Bild 4

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