Pfadfinder bauen riesiges Camp nur aus Holz und Stricken

Die Royal Rangers übernachteten eine Woche lang an der Lütsche bei Frankenhain (Ilm-Kreis) und bestanden dabei jede Menge Abenteuer.

Alle Dinge sind selbst gemacht im Camp der Royal Rangers. So auch die Feuertische. Auf dicken Balken lodert die Glut. Hier wird gekocht und gebacken, unter anderen leckeren Waffeln. Foto: Britt Mandler

„Oh weh, das schwankt!“ Kichernd sitzt Emma etliche Meter über dem Erdboden auf einem kleinen Podest. Dort hinzugelangen, war nicht einfach. Barfuß und nur mit der Kraft ihrer Muskeln ist die Eisenacherin an einer Kletterstange emporgekraxelt. Und nun heißt es, neben dem eigenen Können auch anderen zu vertrauen und einfach in die Tiefe zu springen.

Einmal noch tief durchatmen, dann hüpft Emma hinunter. Passieren kann ihr nichts, denn Chris Harras hält das Sicherungsseil fest in der Hand. „Das hast Du super gemacht“, sagt der Campleiter und strahlt.

Seit Jahren schon leitet er den Eisenacher Stamm der Royal Rangers. Die christlichen Pfadfinder haben etliche Gruppen in Thüringen. Kinder und Jugendliche ab sechs Jahre lernen hier, wie wichtig das Arbeiten im Team ist. Gemeinsam erleben sie die Natur, lernen Handfertigkeiten, Durchhaltevermögen und vieles mehr.

195 Teilnehmer aus elf Städten sind nun hier, am Ufer des Lütschestausees, versammelt. Eine Woche verbringen die Pfadfinder gemeinsam. Das Camp zu errichten hat gedauert, verrät Harras. Zunächst haben die Erwachsenen 800 Holzstangen geschlagen und bei einem Wochenendeinsatz einen Teil des Camps gebaut. Doch den Rest erledigten die Pfadfinder. Genagelt oder geschraubt wurde hier nichts. Türme und Tore entstanden, alle sind sie mit Seilen fixiert und verbunden. Auch Feuertische wurden errichtet und Sitzbänke und vieles mehr.

Wie lange das wohl dauert, alles wieder abzubauen? Schließlich wollen Pfadfinder keine Spuren hinterlassen. „Drei Stunden“, sagt Chris Harras lachend.

Doch ehe es so weit ist, liegen noch tolle Tage vor den Royal Rangers. Zeit, um an Computer oder Handy zu denken, haben die Pfadfinder nicht. Dazu ist das Lagerleben viel zu spannend. Frank Mäder vom Gothaer Stamm passt auf, dass beim Ausprobieren der selbst konstruierten Wassergefährte in der Lütsche niemand zu Schaden kommt. Mit Samuel Scholz aus Bad Langensalza gehen die Kinder auf Geocaching-Tour.

Wagemutige wie Emma oder die kleine Elli probieren im Wald die Kletterstange oder die selbst gebaute Riesenschaukel aus. Und Gabriel Kittler aus Ilmenau ist einer derjenigen, die beim Bungee-Run versuchen, gegen ein Gummiseil anzulaufen und einen Holzpflock so weit wie möglich von der Halterung entfernt in den Rasen zu rammen. Das erfordert nicht nur Kraft, sondern auch jede Menge Sportsgeist.

„Das Lager ist richtig toll“, schwärmt Frank Mäder, der schon oft mit Kindern und Jugendlichen unterwegs war. Neben ihm stehen Maurice, Emily und Anna aus Eisenach und Schmalkalden und nicken.

Und auch die Urlauber auf dem Campingplatz blicken neugierig herüber. Eine Horde Kinder neben dem eigenen Wohnwagen – das kann eine Herausforderung sein. Die Royal Rangers aber sind genauso entspannt wie die Touristen. Kein Wunder. So viel Action unter freiem Himmel macht glücklich und abends müde.

Britt Mandler / 11.07.2016 / Nachrichten für Eisenach – Thüringer Allgemeine

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