Pfadfinder lernen Grenzen überwinden

Wasser für den Abwasch nach dem Essen wird hier erwärmt. Technik spielt bei den Pfadfindern bekanntlich keine Rolle. Hier geht es vielmehr um das gemeinsame Leben in der Natur – wie man unschwer erkennt. Foto: Simone Zeh

Ein Pfadfindercamp in diesen Septembertagen in Gefell und Tanna. Auch das Deutsch-Deutsches Museum in Mödlareuth wird besucht. Durch einen Feuertisch sind keine Brandflecken hinterher im Gras zu sehen. Es waren Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahre, die am Treffen der Pfadfinder, der Royal Rangers, vor wenigen Tagen teilnahmen.

„Eigentlich eine Altersgruppe, die nicht unbedingt in der Natur zu finden ist“, sagt die Tannaer Stammleiterin Kerstin Lang. Sondern eher mit Handy, PC und dergleichen beschäftig ist. Technik spielt bei den Pfadfindern bekanntlich keine Rolle, hier geht es vielmehr um das gemeinsame Leben in der Natur. „Das Museum Mödlareuth ist gelebter Geschichtsunterricht.“, sagte Kerstin Lang, die Tannaer Stammleiterin.

Treffpunkt war zum Auftakt in Gefell, wo die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde ihr Domizil hat. In Zelten wurde übernachtet. Pfandfinder der gleichen Altersgruppe von befreundeten Stämmen aus Heiligenstadt, Meinungen, Schmalkalden, Hof und Rodewisch waren zum Silberlilienhajk, einem Treff mit gemeinsamen Unternehmungen, gekommen. Wo man nützliche Dinge für den Pfadfinderalltag lernt und sich bei Prüfungen aus dem sogenannten Logbuch beweisen kann. So kommt nach Bronze die Silberlilie und damit verbunden waren auch so einige Anforderungen, die auf die 36 Mädchen und Jungen zukamen.

Am Morgen des zweiten Tages ging es schon früh raus. Gegen sechs Uhr war Wecken. Nach dem Frühstück ging es zu Fuß nach Mödlareuth zum Deutsch-Deutschen Museum. Das Thema Grenze stand über allen Camp-Tagen. „Das Museum ist gelebter Geschichtsunterricht“, so Kerstin Lang. Viele junge Menschen könnten sich heute unter der DDR und der Mauer nichts mehr vorstellen. Jedoch hier sei die Grenze zu erleben. Das Thema sei aber auch im übertragenen Sinne zu begreifen. „Grenze bedeutet auch Aufbruch. Eigene Grenzen zu überschreiten“, so Kerstin Lang.

Das spielte auf dem nachfolgenden Weg über 20 Kilometer nach Tanna, der zu Fuß, mit Karte und Kompass zu bewältigen war, sicher für so manchen eine Rolle. Zwischendurch warteten Stationen auf sie. „Trotz der Hitze hat unterwegs keiner schlappgemacht", so Kerstin Lang. Hier lernen die Pfadfinder bei aller Anstrengung, dass es trotzdem immer weiter geht. „Unseren Kindern werden heute oft zu viele Steine aus dem Weg geräumt. Steine, die sie brauchen, um erwachsen zu werden.“

In Tanna am Ziel angekommen, wurde erst mal verschnauft. Um zu kochen oder Wasser für den Abwasch danach zu haben, wurde dann ein Feuer entzündet. Jedoch nicht so, dass eine Grasnarbe bleibt, sondern die Pfadfinder bauten dafür Feuertische. „Wenn wir das Camp verlassen, wird man keine Brandstelle im Rasen sehen. Der Platz wird genauso aussehen wie vorher“, so Kerstin Lang. Übernachtet wurde in Zelten, Biwaks oder wer wollte, unter freiem Himmel.

An Tag drei stand der Gottesdienst in der Freikirche von Tanna an. „Wir wollen auch den christlichen Glauben weitergeben“, so die Tannaer Stammleiterin Kerstin Lang gegenüber der Presse. „Hinter jedem Rangerstamm steht eine Kirchgemeinde.“

Simone Zeh / 16.09.2016 / Ostthüringer Zeitung (Schleiz)

EFG Tanna 2003-2019