Tannaer auf gepackten Rucksäcken

Morgen geht es für die Royal Ranger zum Bundeshajk auf den Rennsteig. Seit 2012 gibt es die Pfadfinder im Städtchen.

Unter Führung von Stammleiterin Kerstin Lang (Mitte) werden morgen Royal Ranger aus Tanna zum Bundeshajk nach Oberhof starten. Zwischen dem 16. und dem 20. April treffen sich mehrere Tausend Pfadranger und junge Leiter auf dem Rennsteig. Der gemeinsame Abschlussgottesdienst dieser Deutschlandpremiere ist dann für den Karfreitag in Schmiedefeld geplant. Foto: Uwe Lange

Samstagvormittag auf einer Wiese hinter der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde in Tanna: Vier Mädchen bauen ein Biwak auf. Eine simple Plane, vorn abgestützt mit einer Teleskop-Stange und mit Schnüren abgespannt. Es dauert nur Minuten bis die Übernachtung steht! Isomatte samt Schlafsack gehören ja sowieso zur Ausrüstung eines Royal Rangers, wenn er draußen in der Natur unterwegs ist.

Royal Rangers, also christliche Pfadfinder, gibt es seit 2012 im Städtchen. Stammleiterin Kerstin Lang, die dem Wirken der Mädchen hinterher ihre Anerkennung zollte, ist die Chefin. 30 Ranger sind es wohl aktuell insgesamt, organisiert in fünf Teams und zusammengefasst in eben einem Stamm.

Anlass des Besuches unserer Zeitung war, dass die Tannaer aktuell quasi auf gepackten Rucksäcken sitzen – da zumindest einige von ihnen zwischen dem 16. und 20. April an dem so genannten Bundeshajk der Royal Rangers auf dem Rennsteig teilnehmen werden. Ich erfahre, dass der Begriff Hajk aus dem Nordischen stammt und in vielen Pfadfinderbewegungen Verwendung findet. Generell verbinden würden die Royal Rangers damit, unterwegs zu sein – zum Beispiel zu Fuß, mit dem Kanu oder dem Fahrrad. Bei einem Hajk packen die Rangers alles Nötige in den Rucksack und ziehen los.

„Losgezogen“ wird aber morgen in Tanna zunächst noch mit dem Auto. „Mit dem Zug nach Oberhof, zu unserem Startpunkt des Hajks, das wäre zu umständlich“, erklärte Stammleiterin Kerstin Lang und setzte fort: „Wir als Royal Ranger kommen auf den Rennsteig, weil sich der zuständige Tourismusverband an uns gewandt hat. Die kennen uns von unserem Bundescamp, das wir in der Nähe von Gotha durchführten. Und die haben festgestellt, wir sind Gäste, die man gern hat, weil wir hinterher keine Müllberge hinterlassen.“ Das heißt: Die Natur, die im Rahmen einer solchen Veranstaltung genutzt wird, wird hinterher wieder so verlassen, wie sie vorgefunden wurde. Interessant gerade mit Blick auf aktuell im Oberland des Saale-Orla-Kreises diskutierte Themen!

Den ebenfalls jugendlichen Organisatoren im Alter zwischen 25 und 27 Jahren liegen aktuell wohl 2500 Anmeldungen von Pfadfindern aus dem gesamten Bundesgebiet vor. Nur die Sachsen werden wohl fehlen. „Leider sind dort keine Schulferien. Und in der nächsten Woche werden die Abiturprüfungen geschrieben. Das heißt, auch an Freistellungen ist kaum zu denken. Sonst wären es definitiv mehr Teilnehmer“, merkte Kerstin Lang am Sonnabend an.

Der Hajk beginnt an verschiedenen Startpunkten, die zugelost wurden. Karfreitag sind dann aber alle am Abend in Schmiedefeld zur Abschlussveranstaltung samt Gottesdienst vereint. Die Stammleiterin bezeichnete es als eine ganz wichtige Sache, den christlichen Glauben an die Kinder und Jugendlichen weiterzugeben. „Wie gelingt das besser als in der Natur, wo man Gott als Schöpfer sieht; in der Natur, wenn man miteinander lebt? Weil der Glaube etwas lebenspraktisches ist.“, stellte die Tannaerin fest, die im normalen Leben bei der Firma Rettenmeier arbeitet.

Die Jugendlichen, eine Teilnahme am Bundeshajk ist ab einem Alter von 15 Jahren möglich, werden in der ganzen Woche entlang des Rennsteiges unterwegs sein. Auf sie warten nach Aussage von Kerstin Lang verschiedene Action-Stationen, wie zum Beispiel Klettern oder Kanufahren, allerdings auch Aufforstungsaktionen oder Pizzabacken.

2012 kamen die Royal Rangers, wie gesagt, nach Tanna. „Wir hatten in der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde eine Kindergruppe und festgestellt, wir brauchen ein Konzept für deren Betreuung. Quasi für den Kinderdienst vor Ort“, erinnerte sich die Stammleiterin. Von der Gemeindeleitung in Rodewisch, dort gab es die Pfadfinder schon länger, kam eine Einladung mit dem Wortlaut: „Kommt her und schaut euch das mal an.“ So entstand schließlich dieser Stamm, der bei den Royal Rangers immer eine Gemeindeanbindung hat. Elf Stämme davon gibt es gegenwärtig in ganz Thüringen.

Pfadfinder sein, das heißt unter anderem mit wenig Aufwand draußen in der Natur übernachten und „überleben“, beziehungsweise sich versorgen. Praktisch geht das nach Info der Stammleiterin beim Hajk in etwa so, dass es für die Teilnehmer abends feste Stationen gibt, die sie anlaufen müssen und wo auch Proviant für die nächsten 24 Stunden ausgegeben wird.

Uwe Lange / 15.04.2019 / Nachrichten für Thüringen – OTZ Schleiz

Meine Meinung: Außerhalb der Komfortzone sein

Uwe Lange findet es gut, dass junge Menschen über die Royal Rangers wieder für Ursprüngliches interessiert werden.

Wer von uns hat nicht auch schon mal davon geträumt? Das Nötigste in den Rucksack packen und einfach losziehen. Raus aus der Komfortzone, runterkommen, Natur ohne Termine im Kopf und Handy in der Hand in ihren Ursprüngen erleben. Geträumt vielleicht, aber die Traute zur Umsetzung hat bislang gefehlt. Zudem mit jetzt fast 56 Jahren auf der Isomatte und im Schlafsack noch draußen übernachten.

Trotzdem hat mich aber beeindruckt, was Kerstin Lang so über den Alltag der Royal Rangers erzählt hat. Christliche Pfadfinder sind es zwar; um Mitmachen zu können, muss man aber nicht konfessionell gebunden sein. Groß geschrieben wird die Gemeinschaft, das einheitliche Outfit steht für das Gefühl dazu zu gehören, es gibt feste Strukturen. Meiner Meinung nach gerade in der heutigen Zeit, in der alles im Fluss und nach außen augenscheinlich so frei ist, extrem wichtig, um den eigenen Platz im Leben zu finden. Zudem Pfadfinder auch nicht ständig neue Pfade finden, sondern vielfältig engagiert sind. Da geht es um die Umwelt, werden für die Weihnachtsaktion Päckchen gepackt, wird gemeinsam gesungen, lernt man die Knoten fürs Biwak oder lernt man mit Messer, Säge und Axt umzugehen. Nicht zu vergessen das Selbstbewusstsein, das man sich abseits von Computerspielen oder ähnlichem holt, wenn man im Team zu Fuß von Tanna nach Plauen gelaufen ist. Kerstin Lang hat das mit ihrer Truppe schon mal gemacht. Hut ab! Meine Hochachtung haben sie jedenfalls, die Royal Rangers.

Uwe Lange / 15.04.2019

EFG Tanna 2003-2019