Pfadfinder mit Disziplin und christlichen Werten im Ferienland Crispendorf
Im Ferienland Crispendorf findet aktuell das regionale Sommercamp der Royal Rangers statt. Rund 250 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 16 Jahren nehmen an dem Sommercamp der christlichen Pfadfinder mit ihren 50 Leitern als Betreuer teil. Sie stammen nahezu aus ganz Thüringen.

„Wir sind seit Montag hier und bleiben bis Samstag. Hier im Ferienlager haben wir ideale Bedingungen. Für uns Pfadfinder ist es ja schon ein Luxus, wenn wir richtige Toiletten und Duschen haben. Das Ferienlager ist groß und abgelegen, sodass wir für uns sein können. Wir sind Helmut Schroeder dankbar, dass er uns hier unser Sommercamp machen lässt und sich um alle kleinen technischen Probleme kümmert. Darüber hinaus macht die Ferienlandeisenbahn zwei Fahrtage für unser Camp, was wirklich nicht selbstverständlich ist“, sagt Kerstin Lang, Regionalleiterin Thüringen der Royal Rangers.

Mathis Neupert (l.), Selma Petzoldt (m.) und Benjamin Neupert (r.) vom Royal Rangers Stamm Tanna
Foto: Oliver Nowak - © Funkemedien Thüringen

Recht und Gerechtigkeit anhand von Robin Hood vermitteln
Das diesjährige Motto des Camps ist Robin Hood. „Es geht um Recht, Gerechtigkeit und Rache. Gott hat gesagt, ‚die Rache ist mein‘. Das heißt, nur Gott darf Rache üben. Die Jugendlichen haben heute in ihrem Theaterstück den Bogenschießwettbewerb von Robin Hood nachgespielt, wo er gewinnt aber trotzdem verhaftet wird. Das ist ungerecht, aber Ungerechtigkeit gehört zum Leben dazu. Das lernen die Jugendlichen hier auch“, erzählt Kerstin Lang, die in Tanna lebt und dort auch die Leiterin des Royal-Ranger-Stammes ist.

Die Theaterstücke würden eigentlich jeden Abend gespielt, am Donnerstagvormittag gab es jedoch quasi eine Sondervorführung, weil die Abende sonst nicht ausgereicht hätten. Die Theatergruppe des Sommercamps wird vom Stamm Tanna aufgestellt. Jedes Stück dauert zwischen 15 und 20 Minuten. Geprobt für die Stücke wurde schon einige Zeit im Voraus, ebenso die Zusammenstellung und Fertigung der Kostüme. Eine Bühne, auf der die Stücke gespielt werden, wurde bereits von der Tannaer Ortsgruppe am Wochenende aufgebaut.

Das Sommercamp hat aus den unterschiedlichen Stämmen, die nach Crsipendorf gekommen sind, eine Band zusammengestellt. Die Pfadfinder aus Jena haben sogar ein Klavier mitgebracht.

Theateraufführung - "Robin Hood"
Foto: Kerstin Lang
- © Royal Rangers Tanna

Ordnung und Sauberkeit sind selbstverständlich

Zwar gibt es im Camp einen Koch aus Eisenach, der als Küchenchef fungiert. „Er ist aber nur zur Kommission hier“, erklärt Kerstin Lang. Das heißt, der Küchenchef packt im Küchenzelt die Essenskisten für die einzelnen Stämme und gibt sie samt Rezept aus. Die Kinder und Jugendlichen müssen dann selbst kochen. „Auch wenn die Zutaten und Rezepte die gleichen sind, sieht es am Ende in jedem Topf anders aus“, sagt Kerstin Lang schmunzelnd. Gekocht werde, wie bei Pfadfindern üblich, eigentlich über einen Lagerfeuer. Aufgrund der Trockenheit und Waldbrandgefahr werden in diesem Sommercamp aber Gaskocher verwendet. „Und die Reste, die übrig bleiben, holt abends Tina Höbelt aus Ziegenrück zum Foodsharing ab. Wir schmeißen nichts weg und wo wir sind, sieht es später wie vorher oder sauberer aus“, sagt die Regionalleiterin.

In der Tat findet sich auf dem Gelände des Camps im Ferienland kein Fetzen Müll und wenn außerhalb des Camps im Ferienland irgendwelcher Müll entdeckt wird, dauert es nicht lange und ein Pfadfinder mit einem Müllsack sammelt ihn ein. „Wir kommen hier ins Camp mit Schuldpunkten, die wir auf unterschiedliche Arten abarbeiten können, das Müll sammeln gehört dazu“, sagt Kerstin Lang. Insgesamt scheinen die Regel streng, kein Alkohol, keine Energydrinks, kein Nikotin und sollte ein Teilnehmer des Camps mit einem Handy gesehen werden, der kein Leiter ist, verschwindet das Mobiltelefon bis zum Ende des Sommercamps im Safe. Allerdings sind die Kinder und Jugendlichen auffällig oft mit Büchern in der Hand zu sehen.

Jeden Morgen gibt es einen Fahnenappell in Aufstellung und mit Meldung. „Wir müssen ja auch wissen, wenn jemand krank in seinem Zelt liegt. Für einen solchen Fall haben wir eine Kinderärztin vor Ort und zwei medizinische Mitarbeiter der Bergwacht, unter den Leitern gibt es zudem noch mehrere Krankenschwestern“, erzählt Kerstin Lang bei einem Rundgang durchs Camp. Die runden Zelte, die dort aufgebaut sind, nennen sich Jurte und haben meistens einen Durchmesser von sechs oder acht Metern. Sie werden ganz zu Anfang von den Teilnehmern aufgebaut. Die gesamte Zeltarchitektur besteht aus Baumstämmen, die weder genagelt noch verschraubt werden, sondern mit Sisal, einer Hanfschnur, zusammengebunden werden.

Friedrich Ekinger (l.) und Torsten Gruber (r.) vom Royal Rangers Stamm Jena bei der Vorbereitung des Mittagsessens
Foto: Oliver Nowak - © Funkemedien Thüringen


Zeltarchitektur aus zusammengebundenen Baumstämmen
Die Baumstämme für die Zelte und anderen Bauten, die wie Eingangsportale zu den einzelnen Zeltansammlungen der Stämme wirken, stammen aus dem Forstrevier von Tanna. „Wir haben für den Revierförster Denny Thiele Käferholz aus dem Wald geholt, wir können ihm dankbar sein, dass er uns damit unterstützt“, sagt Kerstin Lang. Rund 1000 Baumstämme seien im Camp verbaut und selbstverständlich nur von den Hanfschnüren zusammengehalten. Die Baumstämme werden nach dem Camp in einem Schiffscontainer gelagert und für die nächsten Camps aufbewahrt. „Der Distrikt Ost, also die neuen Bundesländer, veranstalten im kommenden Jahr (2026) in Altenburg auf dem Flugplatz ihr Sommercamp, dazu werden gut 3000 Teilnehmer erwarte. 2022, als in Gotha ein bundesweites Camp der Royal Rangers veranstaltet wurde, kamen 20.000 Teilnehmer, damals wurde ein ganzes Krankenhaus mit aufgebaut“, erzählt Kerstin Lang.

Sobald die Zelte, deren Plane aus reiner Baumwolle ist, stehen, geht es für die Pfadfinder an die Ausstattung ihrer Zelte. Jeder Stamm hat ein Stammzelt, wo sich die Mitglieder versammeln. Für das Stammzelt werden Sitzgelegenheiten gefertigt. Das können Bänke an Tischen sein, aber auch hängemattenartige Bauten in denen die Teilnehmer sitzen.

Im Zelt mit/ auf den selbstgebauten Sitzgelegenheiten
Foto: Kerstin Lang
- © Royal Rangers Tanna

Jeder Stamm hat sich seinen Bereich mit Schnüren abgetrennt, durch Schnüre sind auch Wege durch das Camp gezogen. Übertritt jemand eine solche Schnur, nimm ein böses Wort in den Mund oder zeigt ein anderes Fehlverhalten, sind zehn Liegestütz oder Kniebeugen das Resultat. Zu den Pflichten gehört auch das Tragen der korrekten Kluft bei den Programmpunkten. In den privaten Freizeiten ist auch Straßenkleidung erlaubt. „Es ist für Kinder einfach, mit festen Regeln zu leben, wenn sie die verstehen und wissen, dass klare Konsequenzen folgen, wenn gegen die Regeln verstoßen wird. Deshalb sind hier alle so ordentlich und diszipliniert“, erklärt Kerstin Lang.

Der Stamm Schmalkalden hat sich hängenmattenartige Sitzgelegenheiten für seine Unterkunft gebaut und dazu noch einen Flaschenzug installiert
Foto: Oliver Nowak - © Funkemedien Thüringen

Corona Pandemie hat für enormen Mitgliederzuwachs gesorgt
Das Sommercamp der Royal Rangers aus Thüringen findet zum ersten Mal im Ferienland Crispendorf statt und der Grund dafür ist erstaunlich. „Wir waren sonst immer um die 100 Teilnehmer, da brauchten wir ein so großes Gelände wie das Ferienland nicht. Die Anzahl unserer Mitglieder ist aber enorm gestiegen. Die Corona Pandemie hat wie ein Brennglas gewirkt. Was nicht funktionierte, ist durch Corona deutlich geworden und kaputtgegangen, was jedoch gut funktionierte, ist gewachsen“, sagt Kerstin Lang. Und organisiert und diszipliniert sind die Teilnehmer des Camps allemal.

Die Kinder und Jugendlichen erlernen erstaunliche Fähigkeiten, um sich ihre Abzeichen zu verdienen
Für das Sommercamp selbst gibt es einen straffen Programmplan. Essenhol- und Essenzeiten sind genauso festgelegt wie Camp Runden und Teamzeiten, Workshops, Geländespiele, das Abendprogramm oder die Kochzeiten. Der Donnerstag ist als Logbuchtag ein ganz wichtiger Tag für die Teilnehmer. Denn am Logbuchtag können die Teilnehmer sich ihre Abzeichen für die Kluft verdienen. Bis zu 20 Prüfungen kann das beinhalten. Die Prüfungen reichen von Knoten und Bunde, über Werkzeugübergabe und Sicherheit, Navigation anhand von Karte und Kompass oder durch Sternennavigation. Diese und weitere Fähigkeiten können die Teilnehmer in den Workshops erlernen, die angeboten werden. Dazu zählen unter anderem Messerschleifen, Suchtprävention, alternative Methoden ein Feuer zu entzünden sowie der Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen und Bastelarbeiten. Selbst Postkarten gestalten und schreiben die Kinder und Jugendlichen und schicken diese dann nach Hause.

Kathrin Hartleb ist Kinderärztin und Stammleiterin vom Stamm Heiligenstadt, der mit 31 Jahren der älteste Royal-Rangers-Stamm in Thüringen ist. Sie findet das Ferienland Crispendorf ideal für das Sommercamp. „Ich bin begeistert, wie viele Bäume hier stehen und Schatten spenden können. Die Jugendlichen haben sich schon eine Slagline zwischen den Bäumen gespannt. Jugendlich werden kreativ, wenn das Handy zu Hause bleiben musste und Langeweile aufkommt“, sagt sie. Die christliche Lehre spielt bei allem eine Rolle. Das wird erkenntlich an den Bibeln der Royal Rangers als auch in ihrem Umgang mit ihren Mitmenschen.

„Wir haben hier so wunderbare Menschen überall, wir sind in der Natur, das ist alles so schön hier“, sagt der 17-jährige Mathis Neupert aus Tanna, der im Theaterstück den Sheriff von Nottingham spielt.

„Wir haben heute gelernt, dass wir für unseren Feind beten sollen, dass wir ihm Essen geben sollen, wenn er Hunger hat und zu Trinken geben, wenn er Durst hat, damit er sich schämt, böse zu uns gewesen zu sein“, erzählt der zwölfjährige Janneck Kellner.

Der Donnerstagabend ist auch der Abend, an dem den Kindern und Jugendlichen vorgeschlagen wird, ein Leben mit Jesus zu wagen und ihr Leben nach der christlichen Lehre auszurichten. Die Royal Rangers Tanna sind der evangelischen freikirchlichen Gemeinde Tanna angeschlossen.

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